Trauerarbeit nach Botkin, Hogan - EMDR Methode in der Psychotherapie

In psychologischer Hinsicht wird als Trauer ein emotionaler Zustand bezeichnet. Dabei kann es sich um emotionale Erstarrung oder Taubheit, aber auch Ausdruck heftiger Emotionen wie z. B. Wut, Traurigkeit, Schuldgefühle, Panik sowie Schmerz sein. Es wird zwischen der maskierten, chronischen und verspäteten Trauer unterschieden. Die Zeit, die nötig ist, um die Trauer zu überwinden, wird „Trauerprozess“ genannt.

Trauer. Ursprung und Bedeutung

In verschiedenen Kulturen der Weltgeschichte sind fixe Rituale zur Bewältigung von Trauer ein Bestandteil des Lebens an sich. Akzeptieren und Loslösen sind wichtige Teile dieses Prozesses. Schuld, Trauma und Wutgefühle sind ebenfalls Teil dieser Trauerarbeit.

Viele Menschen geben sich die Schuld am Tod eines geliebten Menschen. Manche mussten miterleben, wie z. B. ein Verwandter in unmittelbarer Nähe starb. Wutgefühle, warum der Tote, sich aus dem Leben „geschlichen“ hat, stellen sich ebenfalls sehr häufig ein.

„Gesunde“ Trauerarbeit erstreckt sich über mehrere Phasen. Der Trauer entsprechend Raum zu geben, den Verlust zu akzeptieren und dem Leben wieder „einen Sinn“ zu geben, sind hier wesentlich. Je nachdem, worauf die Trauerarbeit basiert und auf welche Art und Weise sie geleistet wird, gibt es mehrere unterschiedliche Phasen.

Die Entwickler der EMDR – Dr. Allan L. Botkin und Dr. R. Craig Hogan!

Dr. Allan Botkin hat in Chicago über 20 Jahre lang Vietnam- und andere Kriegsveteranen erfolgreich als Psychotherapeut behandelt. Fast 90 % seiner Patienten hatten schwere Traumata erlitten. Er führt eine eigene Praxis und arbeitet mit Dr. Craig Hogan, dem früheren Verwaltungschef einer medizinischen Hochschule und Professor für Kommunikation zusammen. Immer auf der Suche einer noch besseren Möglichkeit, seinen schwer traumatisierten Patienten zu helfen, entstand spezielle, leicht abgewandelte Form der EMDR für Trauerbewältigung.

Wie funktioniert diese Therapie und welchen Stellenwert nimmt sie in der Psychotherapie ein?

„EMDR“ bedeutet „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“. Diese Therapie wurde von der amerikanischen Psychologin Francine Shapiro zur Behandlung von schwer traumatisierten Menschen entwickelt. Die Behandlung läuft in sechs unterschiedlichen Phasen ab.

  • Phase 1 ist die Erhebung der Anamnese des Patienten.
  • In Phase 2 wird ein ganz persönlich sicherer Ort verinnerlicht, sodass der Patient, sollte es zu schwierig werden, sicher aussteigen kann.
  • In Phase 3 werden ein negativer und ein positiver Gedanke verknüpft: „Ich bin hilflos, ich kann aber dagegen etwas tun.“ Der positive Gedanke wird das Ziel.
  • Phase 4 beinhaltet die eigentliche Therapie und den Behandlungsschwerpunkt. Dann versetzt sich der Traumatisierte zurück in die Ausgangssituation des Traumas, das meist ein „eingefrorenes“ Bild darstellt. Der Kopf wird ruhig gehalten, die Augen folgen den Handbewegungen des Therapeuten. Nach einiger Zeit tritt Besserung ein, die Belastung verschwindet.
  • Jetzt muss das positive Körpergefühl gefestigt werden (Phase 5).
  • Phase 6 dient nur mehr zum Testen, ob die anfänglichen negativen Gefühle noch da sind. Shapiro entwickelte diese Methode als sie selbst schwer Krebs krank war.

Traumatisierte Kriegsveteranen

Botkin und Hogan haben diese Methode weiterentwickelt und für extrem traumatisierte Kriegsveteranen genutzt. Ein kleines Mädchen wurde vor den Augen eines Vietnam Veteranen mit einer Handgranate getötet. 30 Jahre später plagt ihn diese Erinnerung noch immer und er bat Dr. Botkin um Hilfe.

Der Veteran soll sich die Situation nochmals vorstellen. Plötzlich sah er eine junge Frau, ganz in Weiß gekleidet und beruhigte ihn. In der Vorstellung erklärte die Frau, dass es ihr gut gehe und er sich nicht zu sorgen bräuchte.

Mittlerweile haben viele Patienten ähnliche Erfahrungen hinter sich. Sind das „Geister“ oder wie ist das zu verstehen? Wirklich genau konnte das bis jetzt niemand erklären. Dr. Botkin und Hogan war es wichtig, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Eine mögliche Erklärung liegt in der bilateralen Stimulation durch bestimmte Augenbewegungen sowie taktile oder akustische Reize. Dadurch wird eine Synchronisation der Gehirnhälften ermöglicht. Das dysfunktional wirkende Trauma-Erlebnis wird im Gehirn neu organisiert. Überlegungen basieren auch auf der REM-Phasen während des Schlafes, die ebenfalls der Verarbeitung der täglichen Erlebnisse, etc. dienen. Heute findet diese Methode auf viele Gebieten der Psychotherapie Anwendung. Botkin und Hogan haben daraus die IADC Therapie weiterentwickelt.