Stress und Stressmodelle

Stress – äußere Stressreize erzeugen im Körper einen Alarmzustand. Es kommt zu einem Anstieg der Atemfrequenz, des Herzschlags und der Durchblutung. Zudem werden die Muskeln vermehrt mit Energie und Sauerstoff versorgt, da die Menschen früher Bedrohungen wie beispielsweise wilde Tiere bekämpften oder vor diesen flüchteten.

Die Fachrichtung der Neurobiologie hat sich auf den Aufbau des Nervensystems spezialisiert. Die Neurobiologie beschäftigt sich nicht nur mit der systemischen und zellulären, sondern auch mit der molekularen Ebene, der Funktionsweise der einzelnen Neuronen und dem Zusammenwirken im Gewebe.

Heutzutage wird Stress meist durch alltägliche Umstände oder die Arbeit ausgelöst und es gibt unterschiedliche Methoden des Stressabbaus und der Entspannung.
Sowohl Sport als auch Meditation und Yoga sind hervorragende Möglichkeiten, Stressfaktoren abzubauen und die Autoregulation des Körpers anzuregen. Ebenso zählt Stressmanagement zu den effektiven Therapiemethoden.

Da Stress keine Modeerscheinung darstellt, haben sich Wissenschaftler schon vor vielen Jahren der Stressforschung verschrieben und unterschiedliche Theorien und Modelle entwickelt.

Allostatic Load:

Das psychobiologische Stressmodell basiert auf dem jüngsten Stand der Stressforschung. Früher waren Stressreaktionen für das Leben essenziell, da Sie und in gefährlichen Situationen einen Schutz boten.

Heutzutage handelt es sich bei Stress meist nicht um lebensbedrohliche Situationen wie beispielsweise einst bei der Jagd, sondern um fordernde oder bedrohlich wirkende Umstände. Der menschliche Körper reagiert auf Stress mit einer Ausschüttung an Adrenalin, welches uns kurzzeitig dabei hilft, eine Belastung effektiv zu bewältigen. Jedoch wirkt sich dauerhafter Stress negativ auf die Gesundheit aus und stellt die Ursache für eine Reihe von Krankheiten dar.

Das biologische Stressmodell von McEwen aus dem Jahre 1998 verdeutlicht den Einfluss von psychosozialen Faktoren auf das Wohlbefinden und die Gesundheit. Das Risikomodell beschreibt, wie terminologische Schwierigkeiten überwunden werden können. McEwen schreibt den Mechanismen der Allostatischen Last und Allostase eine bedeutende Rolle zu.

Allostase:

Hierbei handelt es sich um einen biologischen Prozess, der selbstregulierend ist. Dies bedeutet, dass der menschliche Körper adaptiv auf Belastungen des Alltags reagiert. Dank der Fähigkeit der Selbstregulierung wirkt sich eine kurzfristige Belastung nicht negativ auf die Organsysteme aus.

Allostatische Last:

Bei lange andauerndem Stress oder einer Dauerbelastung kommt es zu einer Belastungsakkumulation, welche die Selbstregulation stört. Die Allostatische Last tritt auf, wenn ein Mensch zahlreichen belastenden Ereignissen über einen langen Zeitraum ausgesetzt ist. Es kommt zu einer wiederholten Aktivierung, welche sich auf die Organe negativ auswirkt.

Auch wenn die Belastung über einen längeren Zeitraum andauert und die Stressreaktion im Laufe der Zeit nicht abnimmt, so handelt es sich um eine fehlende Anpassungsfähigkeit.

Die Allostatische Last kann auch bei einer zu starken Stressreaktion auftreten. Experten sprechen diesbezüglich von einer anhaltenden Aktivierung. Auch wenn die physiologische Stressreaktion zu schwach ausfällt, also wenn die Aktivierung fehlt, kann eine Allostatische Last auftreten.

Mit dem ALI, also dem Allostatic Load Index, wird die Allostatische Last gemessen. Der ALI ist ein Maß für Veränderungen pathophysiologischer Art. Hierzu zählen beispielsweise der Body-Maß Index, der Blutdruck und der Gesamt- und HDL-Cholesterol.

Transaktionale Stressmodell:

Das im Jahre 1984 von Richard Lazarus veröffentlichte Modell beschreibt Stresssituationen als komplexe Prozesse mit Wechselwirkung. Die Wechselwirkung tritt zwischen der handelnden Person und den Anforderungen an die jeweilige Situation auf.

Lazarus ging davon aus, dass die subjektive Bewertung der Stresssituation eine wesentliche Rolle spielt. Dieser Ansatz war damals neu, da frühere Stresstheorien auf der Annahme basierten, dass entweder die Situation oder die objektive Beschaffenheit des Reizes die Stressreaktion auslösen.

Lazarus nahm an, dass nicht jeder Mensch auf einen speziellen Stressor gleich reagiert. Während ein Stressor bei einigen Personen eine hohe Stressreaktion auslösen, fühlen sich andere eventuell gar nicht gestresst.

Bei diesem transaktuellen Stressmodell erfolgt zwischen dem Stressor und der Reaktion auf den Stress ein individueller dreistufiger Bewertungsprozess. Während einige Situationen als potenziell gefährlich eingestuft werden, sind andere irrelevant oder positiv.

Drei Stufen der Bewertung:

Bewertet werden ausschließlich Situationen, die Stress hervorrufen. Lazarus unterscheidet neben dem problemorientierten und emotionsorientierten Coping auch die bewertungsorientierte Einschätzung.

Primäre Bewertung – problemorientiertes Coping:

Individuen suchen nach Informationen, um auf problematische Situationen entsprechend zu handeln, sich den Gegebenheiten anzupassen oder um Handlungen zu unterlassen. Bei der primären Bewertung stellen Menschen fest, ob es sich um eine zu bewältigende Herausforderung wie beispielsweise eine Rede oder einen Test handelt. Zudem schätzen Menschen auch bedrohliche Situationen ein, die zu einem Schaden oder einer Verletzung führen können.

Der primären Bewertung gehört auch ein bereits eingetretener Verlust oder Schaden an. Bei dieser Bewältigungsstrategie liegt der Fokus auf den Ebenen der Situation oder des Reizes.

Sekundäre Bewertung:

Hierbei überprüfen Menschen, ob die herausfordernde, bedrohliche oder von Verlust und Schaden geprägte Situation mit den persönlichen Ressourcen zu bewältigen ist oder nicht. Nur wenn die zur Verfügung stehenden Ressourcen als zu gering bewertet werden, kommt es zur Auslösung einer Stressreaktion.

Lazarus geht davon aus, dass Menschen individuelle Bewältigungsstrategien entwerfen, welche einerseits von der Person, andererseits von der Situation und den Umständen abhängig ist. Typische Verhaltensweisen dieser Bewältigungsstrategien sind beispielsweise Flucht, Aggression, Änderung der Bedingungen, Suche nach alternativen Handlungsformen ebenso wie Verleugnung der Bedrohung oder Schädigung.

Menschen sammeln im Laufe Ihres Lebens Erfahrung im sogenannten Coping, also im Umgang mit stressenden Situationen. Sowohl erfolgreich als auch missglückte Strategien helfen und dabei, den jeweiligen Stressor situationsangepasst zu bewältigen. Das emotionsorientierte Coping ist auch als intrapsychisches Coping bekannt. Ziel ist der Abbau emotionaler Erregung, welche aufgrund einer Situation entstanden ist.

Neubewertung:

Im dritten Schritt erfolgt die Bewertung des Erfolgs der gewählten Bewältigungsstrategie. Dank der Neubewertung kommt es zu einer dynamischen Anpassung an neue Situationen und Stresspatienten lernen den Umgang mit einer Bedrohung. Nicht selten entpuppt sich eine Bedrohung nach einiger Zeit als zu bewältigende Herausforderung.

Bei dieser Coping-Strategie bewertet die betroffene Person das individuelle Verhältnis zur Umwelt neu und lernt somit einen adäquaten Umgang. Ziel ist die positive Bewertung eines belastenden oder herausfordernden Lebensumstands, um Ressourcen freizusetzen und angemessen zu reagieren.

Die Kombination von unterschiedlichen Bewältigungsstrategien ist wichtig!

Anforderungs-Kontroll-Modell nach Karasek:

Das Job-Demand-Control-Modell wurde im Jahre 1979 vom US-Amerikaner Robert Karasek eingeführt. Der Soziologe hat dieses Modell entwickelt, um Faktoren, die im Arbeitsumfeld belastend oder beanspruchend sind, einzuschätzen. Neben der Einschätzung der Arbeitsintensität dient das Anforderungs-Kontroll-Modell auch der Gesundheitsförderung bei der Arbeit.

Zu den wichtigsten zwei Parametern zählen die Arbeitsanforderungen und die Autonomie am Arbeitsplatz. Die Anforderungen und der Handlungsspielraum können zu gering oder zu hoch ausgeprägt sein.
Karasek nimmt an, dass eine hohe Belastung am Arbeitsplatz nur dann entsteht, wenn die Anforderungen sehr hoch und der Handlungsspielraum sehr gering ist. Ist die Autonomie des Arbeitenden nicht ausreichend oder gar nicht vorhanden, so entsteht das Gefühl der Überforderung.

Der Soziologe geht davon aus, dass hohe Anforderungen in der Arbeit einen Zustand mit starker Handlungsenergie hervorrufen. Jedoch wird dieser Motivations-Push bei fehlender oder zu geringer Autonomie des Arbeitenden gehemmt und es entsteht ein Stresssymptom. Auf Dauer können Stresssymptome beispielsweise Depressionen oder ein Burn-out hervorrufen.

Untersuchungen zeigen, dass wachsende Anforderungen am Arbeitsplatz bei einem geringen Tätigkeitsspielraum das Wohlbefinden beeinträchtigen. Zudem nehmen Krankenstände zu, die Dauer der Arbeitsunfähigkeit verlängert sich und Betroffene greifen häufig zu Medikamenten. Studien belegen, dass neben dem erhöhten Risiko von psychosomatischen Erkrankungen auch das Risiko eines Herzinfarkts steigt. Zudem wirkt sich das Ungleichgewicht von zu viel Arbeit und zu geringem Tätigkeitsspielraum negativ auf den Fettstoffwechsel aus.

Effort-Reward-Imbalace-Modell:

Das ERI-Modell ist eine Stresstheorie von Siegrist, die aus dem Jahre 1996 stammt. Das Effort-Reward-Imbalance-Modell beschreibt, wie Stress im Arbeitskontext entstehen kann. Im Fokus steht einerseits die Berücksichtigung individueller Unterschiede, andererseits eine soziale Perspektive.

Arbeitnehmer erwarten für ihre Arbeit gleich mehrere Gegenleistungen. Neben einem angemessenen Gehalt ist auch Wertschätzung von großer Bedeutung. Zudem sollten Arbeitnehmern Aufstiegsmöglichkeiten offen stehen. Ein nicht unbedeutender Aspekt ist auch die Sicherheit.

Siegrist geht davon aus, dass Krisen aufgrund einer Dysbalance zwischen Belohnung und Arbeitseinsatz entstehen. Besteht das Ungleichgewicht über einen längeren Zeitraum, so können langfristig sowohl körperliche als auch psychische Erkrankungen auftreten.

Das Gefühl der Belastung kann entweder von den Vorgesetzten oder von der auszuführenden Tätigkeit her stammen. Zudem kann auch ein zu hohes Kontrollbedürfnis oder eine übersteigerte Selbstverpflichtung eine Belastung hervorrufen.

Damit Arbeitnehmer weder weniger leisten noch gesundheitliche Folgeschäden erleiden, ist die subjektiv empfundene Gerechtigkeit ausschlaggebend.

Siegrist hat einen Fragebogen entworfen, welcher mittels 22 Items Dimensionen wie beispielsweise die Belohnung, Verausgabung und Verausgabungsbereitschaft erfasst. Diese Stresstheorie geht davon aus, dass verschiedene Berufsgruppen unterschiedlichen psychosozialen Belastungen ausgesetzt sind. Überschreitet das Ausmaß der geforderten oder persönlich angestrebten Leistung die dafür erhaltenen Belohnungen, so kommt es zu einer Stressreaktion, die auf Dauer die Psyche und den Körper des Arbeitenden schädigen kann.