Ressourcenorientierte Ego-States in ihrer Funktion

Die Ego-States-Therapie wurde vom amerikanischen Psychologenehepaar Watkins in den 80er Jahren entwickelt. Im Prinzip geht es dabei darum, dass die Persönlichkeit aus mehreren Aspekten oder Ich-Anteilen zusammengesetzt ist. Wenn diese Ich-Zustände oder Unterpersönlichkeiten harmonisch zusammenarbeiten, entsteht eine Gesamtperson. Ist dies nicht der Fall, liegen die Ich-Zustände, die Ego-States miteinander im Streit oder behindern sich gegenseitig.

Diese Art der Therapie bedient sich neuer Erkenntnisse aus der Arbeit mit Patienten mit dissoziativen Störungen, hypnoanalytischer Techniken sowie psychoanalytischer Theorien. Zu den Anwendungsgebieten gehören dissoziativen Identitätsstörungen, Sexual- oder Angststörungen sowie posttraumatischen Belastungsstörungen.

Welche Ego-States gibt es?

Grundsätzlich werden drei Arten von Ich-Zuständen unterschieden. Die gesunden Ich-Anteile, die ungesunden integrierten Teile sowie die abgespaltenen Ich-Anteile.

Die gesunden Ich-Anteile entstehen während unserer Entwicklung von Kindesbeinen an. Sie werden von den Menschen, die uns nahestehen oder denen wir oft begegnen maßgeblich beeinflusst. Diese bilden ein inneres Team, das sehr gut zusammenarbeitet. So entsteht eine ausgeglichene Gesamtperson. Das macht sich meistens in der Schule oder in der Arbeitswelt bemerkbar.

Ein hervorragender Lehrer, ein guter Nachbar, eine patente Köchin oder ein ausgezeichneter Schulsprecher. Dieses Team wird deshalb auch als das „Alltags-Team“ bezeichnet. Ein gesunder Mensch besitzt zwischen 5 und 15 solcher Aspekte. Ein gesunder Mensch kann je nach Bedarf zwischen diesen Ich-Anteilen hin- und herschalten. Es kommen Gäste, da kommt der tolle Gastgeber zum Tragen. Danach wird ein guter Vortrag gehalten.

Die ungesunden integrierten Ich-Anteile sind bewusst zugänglich. Sie bilden den Übergang zwischen den gesunden und den abgespaltenen Anteilen. Somit können sie auch ohne Trance oder Hypnose therapeutischen anvisiert werden. Widerstände in der Therapie können neue Ich-Anteile sein. Damit soll das Bewusstwerden schlecht angepasster Strukturen des Klienten verhindert werden.

Der Klient wird dann plötzlich müde. Die Aufgabe des neuen Aspekts ist es, abzulenken bzw. zu schützen, dass es da „noch etwas anderes gibt“. Der Therapeut bittet in diesem Fall häufig den Widerstand auf die innere Bühne.

„Wovor soll diese Müdigkeit Sie schützen?“ Ist dieser Ansatz erfolgreich, führt er zum Ego-State, der beschützt werden soll. Somit kann dann dieser anvisiert werden.

Abwehrmechanismen sind von der Natur vorgesehen, um den Menschen zu schützen. Diese Schutzmechanismen stellen eine Krankheit dar, wenn sie extreme Ausmaße annehmen. Das geschieht meistens bei unbewältigten Konflikten oder bei festgefahrenen Grundkonflikten. Die überkommenen Aufgaben dieser Ego-States üben auf den heutigen Menschen eine ungesunde Wirkung aus.

Abgespaltene Ich-Anteile

Abgespaltene Ich-Anteile entstehen, wenn Menschen traumatische Erlebnisse oder konfliktbeladene Situationen nicht mehr aushalten. Somit werden abgespaltene Ich-Zustände als eine Art Abwehrmechanismus aufgebaut.

Die Aufgaben dieser Ich-Anteile können darin liegen, als radikale Helfer, Verfolger, täteridentifizierte Anteile, täterloyale Anteile oder Angreifer zu agieren. Diese Anteile können sich gegenseitig überlagern oder verstärken (täterloyale und täteridentifizierte). In reiner Form sind diese Anteile selten anzutreffen.

Menschen, die jahrelang von einem Familienmitglied misshandelt wurden, sind ein typisches Beispiel dafür. Als Erwachsene leben sie in einer neuen Wohnung in einer anderen Stadt. Ein Ego-State sagt ihnen, dass sie diese Person nicht in die Wohnung lassen müssen. Ein anderes (täteridentifiziertes Ego-State) jedoch meint, mache es, sonst tötet er dich. Das ist der vermeintliche Schutz vor noch Schlimmerem als dem erlebten Trauma. Der Klient wird diese Person immer wieder in die neue Wohnung lassen. Genau aus diesem Grund. Dieser Anteil ist abgespalten. Er kann ihn nicht kontrollieren.

Abgespaltene Ich-Anteile sehen sich als eigene Persönlichkeit und können ein Leben lang bestehen. Diese Untergrund-Ich-Anteile sehen sich als hilfreich und unentbehrlich an. Es besteht keinerlei Kontakt zur Kernpersönlichkeit. Der Zugang ist meistens nur mehr durch Trance oder Hypnose möglich.

Introjekte, also während der Entwicklung erworbene Ich-Anteile, können im Vergleich zu den abgespaltenen Ich-Anteilen ein Update erfahren. Ein typisches Beispiel dazu wäre: Du darfst nicht weinen. Es ist durchaus okay, zu weinen, lass es raus. Das befreit!