"New Work" – Frithjof Bergmanns Ansatz für ein Arbeitsmodell, das zu weniger Stress und mehr Zufriedenheit führt

New Work, was sich auf den ersten Blick liest wie der Big Apple in den USA ist in Wirklichkeit ein Ansatz Arbeit und Arbeitsweisen völlig neu zu denken. Geprägt wurde der Begriff von dem Sozialphilosophen Frithjof Bergmann. Er ist der Entwickler des Konzeptes New Work, was auf Deutsch neue Arbeit bedeutet.

Was ist New Work?

Wir befinden uns in einem Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung. Dies hat auf Frithjof Bergmann erkannt. Sein Ziel war es Arbeit derart neu zu denken, dass sie zu den Anforderungen der heutigen Zeit passt. Mit der Entwicklung von neuen Arbeitsformen- und Modellen war Bergmann seiner Zeit weit voraus. Bereits in den 1970er Jahren erarbeitete er sein Konzept, dass den Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft markieren sollte.

Nach Bergmann war Arbeit in der Industrialisierung vor allem Mittel zum Zweck. Ein Arbeitsschritt wurde im Zuge eines Produktionsprozesses ausgeführt. New Work stellt eine Abkehr dar. Arbeit ist Teil der Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsentwicklung. Jeder tut nur die Arbeit, die er wirklich tun will und erfüllend ist. Selbständig handelnd und kreativ sollen Menschen sich ihrer Arbeit annehmen. Dabei muss genügend Freiraum eingeräumt werden, eigene Entscheidungen zu treffen und Lösungsansätze zu erarbeiten. Dies lässt sich mit konventionellen Arbeitsformen nicht mehr vereinbaren.

Der Wille zum selbstständigen Handeln und der Gegensatz von engen Strukturen und Vorgaben erzeugen eine hohe Stressbelastung und Unwohlsein. Daher entwickelte Bergmann neue Arbeitsformen wie Jobsharing oder Scrum (agiles Projektmanagment).

Work-Life-Balance

Die Work-Life-Balance gewinnt für viele Menschen zunehmend an Bedeutung. Beruf- und Privatleben sollen möglichst ausgewogen sein. Frithof Bergmann geht noch einen Schritt weiter und sieht das Ideal im Work-Life-Blending. Jeder soll die Arbeit und Arbeitsweise finden die zur Persönlichkeit passt. Jedem Menschen soll es ermöglicht werden, in seinem Arbeitsrhythmus und seinem Tempo zu arbeiten.

Arbeit ist Teil der Persönlichkeit. Sie soll daher den Arbeitenden stärken und keinen Stress verursachen. Damit dies gelingt, sind sehr offene Unternehmensstrukturen von Nöten, sodass auch der Arbeitsort von jedem frei gewählt werden kann.

Die Arbeit erfolgt zumeist in frei gewählten Teams, die sich untereinander organisieren.

New Work – Die Umsetzung

Strategien, Arbeitsabläufe und notwendige Arbeitsschritte werden unter Einbeziehung aller besprochen und verhandelt. Jeder ist Teil des Teams. Die klassischen hierarchischen Strukturen werden zu Gunsten einer flachen Hierarchie der Mitbestimmung aufgebrochen. Es findet ein flexibler Wechsel innerhalb der Führung statt. Den Anforderungen der Projekte und des Einzelnen wird Rechnung getragen. Daher muss jedes Teammitglied ein gewisses Maß an Führungskompetenz entwickeln.

Für jedes Mitglied des Teams ist es möglich, seinen Arbeitsort selbst zu wählen oder auch seine Aufgabe zu wechseln. Um ein solches Maß an Flexibilität gewährleisten zu können, muss sich das gesamte Team in einem ständigen Austausch befinden. Kommunikativen Prozessen kommt demnach eine weitaus größere Bedeutung zu als in konventionellen Arbeitsstrukturen.

Reduzierung von Stressoren

New Work Modelle finden bereits heute vielfach Anwendung in Unternehmen. Flache Hierarchien, offene Unternehmensstrukturen und zahlreiche Möglichkeiten zum kommunikativen Miteinander sorgen für eine hohe Arbeitszufriedenheit und Reduzierung von Stressoren. Sie geben einen Ausblick in die Zukunft unserer Gesellschaft, wenn Computer und Maschine vollständig automatisierte Arbeitsschritte übernommen haben werden. Zu diesem Zeitpunkt wird ein Großteil der Menschen im Wissenssektor arbeiten.

Spätestens dann müssen sich alternative Arbeitsformen etabliert haben, die den Menschen die Möglichkeit geben, ihre Persönlichkeit zu entfalten, ihre Kreativität auszuleben und ihren Alltag flexibel gestalten zu können. New Work ist ein erster Ansatz in diese Richtung. Erfolg und Potential müssen jetzt durch Erfahrungen im HR Management und wissenschaftliche Forschung herausgearbeitet werden.