Midlife Crisis bei Frauen – weniger bekannt, als die bei Männern

Stellen sie sich folgendes Szenario vor: Eine Mittvierzigerin, die in einem viel zu kurzen Rock jungen Männern nachstellt, sich plötzlich wieder so benimmt als wäre sie 16, tausend neue Projekte beginnen möchte und mit ihrem bisherigen Leben unzufrieden ist.

Ziemlich abstrus und weit her geholt, oder? Man kennt ein ähnliches Verhalten bereits von Männern. „Der hat eben die Midlifecrisis“, sagt man dann leichthin. Dabei ist diese Lebenskrise kein bisschen amüsant, obwohl einige Männer in ihrem Jugendwahn durchaus unfreiwillig komisch wirken. Doch warum bringt man nur Männer mit diesem Thema in Verbindung? Sicher nicht, weil Frauen nicht von dieser Sinnkrise betroffen wären. Sie können ihre Probleme nur besser verbergen. Wie auch in vielen anderen Lebensbereichen verhalten sich Frauen auch beim Thema Midlifecrisis eher diskret.

Ängste können die Midlife-Crisis erst auslösen

Man könnte die Midlife-Crisis auch mit einem einzigen Satz erklären: Wir bekommen plötzlich Angst vor dem Tod. Die Endlichkeit rückt zum ersten Mal in unser Bewusstsein, ist nicht mehr länger abstrakte Theorie oder die leise Ahnung einer weit entfernten und nicht greifbaren Zukunft. Im Moment zu leben, unbeschwert und frei, ist ein Privileg der Jugend. Erst in der Mitte unseres Lebens wird uns bewusst, dass wir uns dieser Tatsache der Endlichkeit des Lebens, stellen, bewusst damit auseinandersetzen müssen.

Frauen leiden subtiler

Während Männer sehr offensiv mit ihren Problemen nach außen gehen, äußert sich die Midlifecrisis bei Frauen eher subtil. Meist beginnt es mit einer leichten Unzufriedenheit, die sich immer mehr steigert. Die Fältchen um die Augen, wo kommen die plötzlich her? Viele bemerken den Unterschied zwischen sich und den jungen Frauen, empfinden sich als weniger attraktiv. Diese Unzufriedenheit wird vom Umfeld oft nicht bemerkt. Viele Frauen nörgeln, machen ihrem Partner Vorwürfe. In dieser anklagenden Haltung zeigt sich nur ihre eigene Unzufriedenheit, die dann auf die Umwelt projiziert wird.

Alles wird in Frage gestellt

Die Lebenskrise in der Lebensmitte ist wohl am ehesten mit einer stillen Unzufriedenheit zu beschreiben. Nichts passt mehr, alles wird in Frage gestellt: Der Partner, die Lebensumstände, der Körper. Viele Frauen bekommen depressive Verstimmungen und Ängste, isolieren sich. Sie sind oft abgeschlagen und müde, können sich nicht richtig motivieren. Doch auch die „Symptome“, die man oft eher Männern zuschreibt, betreffen Frauen. Viele Frauen suchen sich wesentlich jüngere Partner, benehmen sich peinlich, machen die Nacht zum Tag und trauern ihrer Jugend nach. So ein Verhalten bleibt allerdings eher die Ausnahme. Viel häufiger leiden Frauen still vor sich hin.

Diese Sinnkrise auf die leichte Schulter zu nehmen und zu glauben, dass sich das schon mit der Zeit erledigen wird, ist der falsche Weg. Es gibt geeignete Therapiemethoden, die sich speziell mit diesem Thema befassen. Denn die klassische Verhaltenstherapie oder eine psychoanalytische Therapie ist bei Lebenskrisen nicht geeignet. Eine Kurztherapie ist dagegen ideal. Es gibt viele Bewältigungsstrategien. Die Midlifecrisis kann beispielsweise auch als Chance begriffen werden, Träume zu verwirklichen und lange aufgeschobene Vorhaben anzugehen. Die Zweifel können festgefahrene Strukturen durchbrechen. Mit dieser positiven Sichtweise kann die Krise in eine Chance verwandelt werden.