Das Metamodell der hypnosystemischen Therapie bei der Trauerbewältigung

Das Metamodell der hypnosystemischen Therapie beruht auf den Erkenntnissen von Bednarz, Klass und Bowlby, die sich intensiv mit Bindungsgefühlen und Trauer auseinandergesetzt haben. Kachler bildete schließlich aus deren Ergebnissen seinen „beziehungsorientierten Traueransatz“, welcher mittlerweile eben auch unter dem oben genannten Modell Bekanntheit erlangt hat. Nach diesem Modell muss nicht nur an dem Gefühl der Trauer gearbeitet werden, sondern auch an den Beziehungsemotionen zu der verstorbenen Person, womit es einen ganz neuen Ansatz der Trauerbegleitung verfolgt.

Das Gefühl der Trauer

Trauer ist laut Kachlers Metamodell keine Emotion, die für sich allein steht. Vielmehr kommt es nach dem Verlust eines geliebten Menschen dazu, dass die emotionale Beziehung zu diesem an die neuen Lebensumstände angepasst wird, statt gelöst zu werden. Somit muss der Hinterbliebene also nicht nur den Verlust bewältigen, sondern auch die Beziehung auf eine rein imaginative Stufe heben, in der er die Abwesenheit des Partners oder Freundes akzeptieren kann. Damit kann das Gefühl Trauer ebenso zu einer wichtigen Ressource werden.

Die Aktivierung sogenannter Bindungsgefühle

Die Bindungsgefühle, die von der Trauer aktiviert werden spielen in Kachlers Metamodell eine so bedeutsame Rolle, dass er ihnen einen Namen gibt: „die drei Schwestern der Trauer“.

Dazu gehört zunächst das Mitgefühl. Es sorgt dafür, dass man sich um den Verstorbenen sorgt und äußert sich sehr häufig in dem Wunsch, dass derjenige nun an einem „besseren Ort“ ist.

Die Sehnsucht dagegen bringt den Trauernden dazu, die verstorbene Person zu vermissen und sich zu wünschen, bei ihr zu sein. Die Unmöglichkeit sie aufzusuchen, kann den Hinterbliebenen dabei besonders belasten.

Die Liebe ist in diesem Modell besonders wichtig. Sie verursacht den starken Schmerz, den die Meisten im Zusammenhang mit Trauer erleben oder bereits erlebt haben. Die Unabänderlichkeit des Verlustes und das Unwissen darüber, wie man allein weiterleben soll, stürzen viele Menschen in noch tiefere Trauer.

Die Ziele der hypnosystemischen Therapie

Damit der Trauernde seinen Verlust mit der Zeit bewältigen kann, verfolgt Kachler mit seinem Metamodell der Trauerbegleitung bestimmte Ziele. Liegt der Tod der betreffenden Person noch nicht lange zurück, muss der Hinterbliebene zunächst schlicht in der belastenden Situation überleben, damit er die Trauer im Laufe der Zeit loslassen kann und so lernt, mit dem Verlust zu leben.

In der letzten Stufe lernt der Betreffende schließlich, eine gesunde Verbundenheit zum Verlust an sich, aber auch zum Verstorbenen aufzubauen.

Die Stufen der Trauerarbeit

Am Anfang des Verarbeitungsprozesses ist der Verlust noch frisch. Der Trauernde ist orientierungslos und leidet. Damit er in dieser Zeit funktionsfähig bleibt und weiterleben kann, spielt die Stabilisierung eine essentielle Rolle.

Hat der Hinterbliebene diese Phase gut überstanden, ist er bereit, den nächsten Schritt zu tun. Die Trauergefühle sind jetzt im Fluss und schwanken stark zwischen dem Schmerz des Verlustes und der tiefen inneren Verbundenheit zum geliebten Menschen.

Um depressive Verstimmungen und psychosomatische Beschwerden zu vermeiden, nimmt die Realisierungsarbeit eine zentrale Rolle ein. Sie hilft, Tod und Verlust langsam aber sicher zu akzeptieren.
Die Beziehungsarbeit schließt daran unmittelbar an, um eine gesunde emotionale Beziehung zum Verstorbenen zu formen. So sollen sich die Trauernden wieder auf das alltägliche Leben einlassen und sich auch wieder erlauben, glücklich zu sein.

Ist die trauernde Person wieder in der Lage, ihr Leben selbst zu gestalten und mit dem Verlust umzugehen, gilt die Trauerbegleitung in der Regel als abgeschlossen.