Die Methode der Mindful-Based Stress Reduktion bei der Behandlung von Angststörungen

Angst ist ein Gefühl, das bei realer oder vorgestellter Gefahr entsteht. Angst ist überlebenswichtig, um Gefahren wahrzunehmen und darauf zu reagieren – mit Angriff oder Flucht. Eine Angststörung ist „gelernt“, sie tritt anhaltend oder wiederkehrend auf. Dadurch können die Lebenstüchtigkeit und die sozialen Interaktionen und Fertigkeiten beeinträchtigt werden.

Der pathologische Wert wird nach zwei Kriterien bemessen:

  • 1. Unangemessenheit der Angstreaktion gegenüber den Bedrohungsquellen
  • 2. Symptomausprägung

„Angststörungen entstehen durch Erfahrung oder Erlernen. Zahlreiche Forschungen belegen, dass therapeutische Trainingsprogramme wirksam sind, so dass das erlernte Verhalten der Angst wieder „gelöscht“ werden kann.“

Eine Methode ist die Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR, die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion.

Was ist MBSR?

Es handelt sich um ein Trainingsprogramm zur Bewältigung von Stress. Entwickelt wurde es 1979 an der Universität von Massachusetts durch den amerikanischen Molekularbiologen Prof. Dr. Jon Kabat-Zinn. Dabei geht es um weniger Stress und mehr Sinnlichkeit. Durch Achtsamkeit steigert sich die Wahrnehmung und damit die Qualität des Lebens und Erlebens. Es wird geübt, sich selbst und die Umgebung wertungsfrei und möglichst genau zu beobachten. Die Konzentration wird auf den Augenblick gelenkt. Den spirituellen Anteil und die buddhistischen Ursprünge stellt Kabat-Zinn dabei in den Hintergrund.

Die Meditationstechniken entspannen Geist und Körper, senken messbar den Blutdruck und den Sauerstoffverbrauch. So schützt Meditation vor den krank machenden Folgen von übermäßigem Stress.

MBSR war der Vorläufer für eine Reihe anderer Programme, zum Beispiel für die psychotherapeutische Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT), die Mindfulness-Based Relapse Prevention (MBRP) in der Suchtbehandlung, das Mindfulness-Based Eating Awareness Training (MB-EAT) bei Essstörungen und das Mindfulness-Based Childbirth and Parenting (MBCP) – der achtsame Weg durch Schwangerschaft und Geburt.

Die klinische Anwendung von Meditation in der Psychotherapie, bei der Schmerzbehandlung und der Onkologie wird seit der Jahrtausendwende intensiv erforscht. Die Wirkung von MBSR wird jährlich in etwa 40 Studien bearbeitet.

Die Trainingssequenzen bei MBSR

Die Grundlagen des Trainings werden in verschiedenen Einheiten erlernt. Es werden verschiedene Praktiken vermittelt, um Achtsamkeit zu entwickeln, beispielsweise die Sitzmeditation. Die Konzentration auf die Atmung ist der Einstieg. Später wird der Fokus auf Körperempfindungen, auf das Hören und Sehen, auf Emotionen und Gedanken gerichtet.

Während des „Bodyscan“ wird die Aufmerksamkeit durch den ganzen Körper geführt. Und es werden einfache achtsame Bewegungs- und Dehnungsübungen sowie Gehmeditation angewendet.

Die Übungen dauern bis zu 45 Minuten und werden auch täglich zu Hause, angeleitet durch Tonaufnahmen, geübt. Bei allen Übungen soll die Konzentration im gegenwärtigen Moment gehalten oder dorthin zurückgeführt werden, wenn sie abgewandert ist. Die Haltung soll ohne Wertung und Widerstand sein, stattdessen offen, freundlich und neugierig.

Der gemeinsame Austausch bewirkt Reflexion und Klärung. Es werden Themen zum Umgang mit Krankheit, Heilung und Stress, zu Ernährung und vielen weiteren Bereichen angesprochen.

Fazit

In einer Studie aus dem Jahr 1989 geht hervor, dass Verfahren wie Muskelentspannung oder Biofeedback bei den Patienten geringere Effekte als die Meditationsübungen erreichen, insbesondere bei generalisierten Angststörungen.

Für den medizinischen Kontext wurden weltanschaulich neutrale Meditationsmethoden entwickelt. Die Fokussierung liegt auf Konzentration, Selbstwahrnehmung und Reizdistanz. Die psychische und körperliche Gesundheit kann positiv beeinflusst werden. Neurobiologische Untersuchungen zeigen, dass durch die Meditation die Funktion und Struktur des Gehirns beeinflusst wird.
Durch die verbesserte Achtsamkeit wird das subjektive Stresserleben vermindert, die Aufmerksamkeitsspanne kann sich erweitern und die Emotionen können leichter reguliert werden.

Die Rückfallquote ist bei Patienten, die MBSR anwenden, deutlich geringer.

Die Achtsamkeit kann in Fällen der Krankheit zu einer veränderten Einstellung und zur Verbesserung der Situation führen. Ängste können verstanden und integriert werden, so dass sie die erwünschte Funktion der Warnung vor Gefahr erfüllen. Das Leben und Erleben erfährt eine qualitative Verbesserung.