Die Entstehungsmechanismen von Ego-States

Für das Ehepaar Watkins, das die Ego-State-Therapie in den 80er-Jahren entwickelt hat, gibt es drei Arten der Entstehung der Ego-States. Dazu zählen die normale Differenzierung, die Introjektion sowie Traumatisierungen.

Was wird unter „normale Differenzierung“ verstanden?

Diese entstehen durch die normale Entwicklung eines Menschen. Diese werden durch politische, kulturelle, familiäre, psychische oder soziale Faktoren bestimmt. Von Kindesbeinen an lernen Menschen zu unterscheiden, was gut oder schlecht, wahr oder falsch bzw. gefährlich oder ungefährlich ist.

Das variiert aber sehr je nachdem, welche Sozialisation diese Person erfahren hat. Sogar Familien derselben Gesellschaftsschicht und desselben Landes inklusive Region erziehen ihre Kinder unterschiedlich.

Differenzierungen unterscheiden sich besonders stark, wenn noch dazu unterschiedlichen Kulturen betroffen sind. Die Kombination einer Vielzahl dieser Faktoren beeinflusst die Differenzierungen eines Menschen. Alleine schon deshalb ist kein Mensch wie der andere und die Entstehung der Ego-States dementsprechend vielfältig.

Was bedeutet „Introjektion“?

Dabei werden äußere Realitäten unbewusst als Ego-States verinnerlicht. Das sind häufig Vorgehensweisen, Werte, Vorurteile der Eltern oder anderer Personen. Äußere Einflüsse sind oft sehr stark und können alles andere überlagern. Kinder übernehmen sehr oft die Werte und Vorurteile der Eltern, weil sie es während der gesamten Kindheit so „vorgelebt“ bekommen haben. Die Betroffenen sind sich dessen nicht bewusst, weil es für sie zum normalen Leben dazugehört. Erst wenn sie auf andere Realitäten treffen, kommt es oft zum Problem.

Wie schaffen „Traumatisierungen“ Ego-States?

Die entwickelten Ego-States helfen, erlittene Traumata zu überwinden. Durch die Therapie werden die einzelnen Ego-States zur „Zusammenarbeit“ ermutigt, um das durchlebte Trauma zu überwinden. Harmonisieren die einzelnen Ego-States miteinander, ist das Ziel einer „Gesamtperson“ erreicht. Der Klient ist wieder glücklich und besitzt eine neue, starke Persönlichkeit.

Menschen, die Traumata mit dieser Therapie erfolgreich überwunden haben, bewältigen manche schrecklichen Ereignisse nachher leichter. Es kommt zwar nicht oft vor, dass ein und derselbe Mensch zweimal eine schlimme Erfahrung machen muss, manchmal aber doch. Wie ein Mensch diese zweite Erfahrung dann überwindet, hängt auch wieder von vielen Faktoren ab, u. a. auch, ob er schon einmal eine Ego-States-Therapie erfolgreich durchlaufen hat oder nicht.

Wie funktioniert die Ego-States-Therapie genau?

Die Therapie hilft den Menschen, die erlebten, belastenden Erfahrungen mithilfe der Ego-States zu überwinden. Gefördert werden dabei Beziehungsfähigkeit, Selbstbestimmtheit und Wachstumsprozesse. „Die Menschen wachsen an ihren Aufgaben. Das Leben ist ein Lernprozess, Probleme sind da, um gelöst zu werden und nicht um daran zu scheitern.“

Um dorthin zu gelangen, müssen die einzelnen Anteile integriert werden und die Kooperation unter diesen gefördert werden. Das dazugehörige Modell, wird SARI genannt.

  • S steht für Sicherheit (Safety and Stabilisation). Dabei ist die Sicherheit zwischen der Gesamtperson und den Ego-States gemeint.
  • A kennzeichnet den (Access) Zugang zum Trauma. Es muss ein sicherer Zugang zum Traum über einen Ego-State gefunden werden.
  • R löst die betreffende (Resolving and Restabilisation) Erfahrung auf und stabilisiert diese.
  • I schafft eine neue Persönlichkeit (Integration and Identity). Persönlichkeitsanteile werden eingebracht und eine Neuorientierung erreicht.

Fazit

Bei der Introjektion werden äußere, reale Eindrücke als Ego-States aufgenommen. Das sind Werte und Handlungen, die wir von uns (nahestehenden) Personen vermittelt bekommen. Meistens sind das Eltern, Verwandte, Nachbarn, Freunde, etc. Traumata sind die häufigsten Auslöser für die Entwicklung von Ego-States.

Schwere psychische Erlebnisse beeinflussen Menschen und prägen sie nachhaltig. In diesen Fällen ist die Ego-States-Therapie sehr hilfreich, da das Ereignis gezielt aufgegriffen und mithilfe der Ego-States verarbeitet wird. Erlebnisse dieser Art beeinflussen die Persönlichkeit eines Menschen. „Er wird nicht mehr als derselbe“ von anderen wahrgenommen.

Diese Therapie bewirkt, dass Menschen mit solchen Erfahrungen nicht nur lernen, damit umzugehen, sie erarbeiten sich eine neue starke Persönlichkeit. Ego-States entstehen aber auch häufig im Wege der normalen Entwicklung eines Menschen. Das wird als „normale Differenzierung“ bezeichnet. Diese Ego-States werden durch soziale, kulturelle, politische, familiäre oder psychische Faktoren geprägt.