Die Methoden von EMDR bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

EMDR ist eine von der US-amerikanischen Psychologin Francine Shapiro 1987 entwickelte spezielle Form der Psychotherapie. Die Anwendungsgebiete dieser Therapiemethode liegen hauptsächlich auf der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS).

Mittlerweile wird EMDR auch erfolgreich bei der Behandlung von anderen Störungen im seelischen und zwischenmenschlichen Bereich, wie beispielsweise bei Ängste, Phobie, Panikattacken, psychosomatischen Störungen, Zwangsstörungen, Suchtverhalten und seit einigen Jahren auch bei narzisstischen Persönlichkeitsstörungen eingesetzt.

Symptome und Ursachen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung, umgangssprachlich auch als verdeckter Narzissmus bezeichnet, ist eine gravierende psychische Erkrankung. Die Hauptmerkmale und Grundeigenschaften dieser Krankheit sind übertriebene Selbstbezogenheit, Geltungsbedürfnis und Egozentrismus.

Die unnatürliche Kombination aus Größenwahn, Selbstverliebtheit, Ich-Bezogenheit und Gefühlskälte führt oft zu Problemen im zwischenmenschlichen Miteinander. Ein narzisstischer Persönlichkeitsstil ist jedoch nicht immer zwangsläufig krankhaft.

Sofern ausgewogen können die genannten Grundeigenschaften auch Bestandteil eines gesunden Narzissmus sein. Jeder Mensch braucht ein gesundes Maß an Eigenliebe und Egoismus.

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung in ihrer krankhaften Ausprägung hingegen ist eine tiefgreifende Störung der Persönlichkeit. In ihrer augenfälligen, offensichtlichen Form ist sie gekennzeichnet durch ausgeprägte egoistische Verhaltensweisen und einem Mangel an Empathie anderen Menschen gegenüber. Typisch ist dabei ein übermäßiges Streben nach Anerkennung, Aufmerksamkeit und Bewunderung. In ihrer subtilen, versteckten Form ist die Krankheit gekennzeichnet durch ein geringes Selbstwertgefühl, eine ausgeprägte Kritikempfindlichkeit und große Versagensängste.

Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung suchen selten Hilfe und verleugnen lieber ihre Probleme. Die Krankheit ist jedoch dringend behandlungsbedürftig, insbesondere wenn die problematischen Persönlichkeitszüge gleichbleibend und dauerhaft auftreten. Unbehandelt beeinträchtigt sie nicht nur in erheblichem Maß die Lebensqualität der Betroffenen, sondern erzeugt oft auch psychische Folgeerkrankungen.

Betroffene leiden häufig an Depressionen, Ängsten, Essstörungen, Suchtproblemen oder andere Psychosen. Der durch die Persönlichkeitsstörung erzeugte hohe Belastungsdruck kann im schlimmsten Fall bis zum Suizid führen.

Hauptursachen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Als Hauptursachen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung gelten zum einen die extreme emotionale Vernachlässigung in der Kindheit, zum anderen ein inkonsistenter Erziehungsstil der Eltern (z.B. Überbewertung und Abwertung im Wechsel).

Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung kommen oft aus Familien, in denen sie während der Kindheit nur geringe oder gar keine körperliche Zuwendung, emotionale Wärme und Nähe erfahren durften. Zuwendung gab es nur bei herausragenden Leistungen.

Auf der anderen Seite wurden sie häufig übermäßig verwöhnt, bekamen keine oder wenig Grenzen gesetzt und konnten kein Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse anderer Menschen entwickeln. Häufig hatten Betroffene auch ein Elternteil, welches das Verhalten einer übertriebenen Suche nach Aufmerksamkeit und Bestätigung vorlebte.

Therapiemöglichkeiten der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Narzisstische Verhaltensweisen und ihre Folgen werden von den Betroffenen selbst meistens weder als Problem erkannt noch anerkannt. Daher ist die Anamnese, das heißt die professionelle Erfragung von medizinisch relevanten Informationen durch den Therapeuten, verbunden mit der Aufklärung des Patienten über sein Krankheitsbild, sowie die Abgrenzung zu anderen psychischen Persönlichkeitsstörungen, von ausschlaggebender Bedeutung.

Für die Behandlung von narzisstischen Persönlichkeitsstörungen gibt es mehrere Therapieformen. Die Krankheit wird in erster Linie mit Psychotherapie behandelt, z. B. durch Gesprächspsychotherapie, Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und andere. Ergänzend dazu können weitere Fachtherapien integriert werden. Eine davon ist EMDR.

Anwendungsgebiete von EDMR

EMDR ist eine seit 2006 anerkannte Psychotherapiemethode. Ursprünglich für die Psychotraumatherapie entwickelt, kann EMDR aber viel mehr. Besonders wenn belastende Lebensereignisse bei der Entstehung von Psychosen eine bedeutsame Rolle spielen, wie bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, ist die Behandlung mit EMDR erfolgversprechend. Jeder Mensch verfügt über eine natürliche Fähigkeit zur Informationsverarbeitung, mit der er belastende Erfahrungen verarbeiten kann. Und genau hier liegt der therapeutische Ansatz von EMDR.

Zentrales Element einer jeden EMDR-Behandlung sind die vom Therapeuten geleiteten Augenbewegungen: Die Patientin bzw. der Patient folgt den Fingern des Therapeuten mit seinen Augen, während diese ihre Hand abwechselnd nach rechts und links bewegt. Diese Stimulation – auch bilaterale Stimulation genannt, führt zu einer psychischen Neuverarbeitung von belastenden Erinnerungen.

Die belastende Erinnerung verblasst nach und nach. Der Patient wird von seinen belastenden Emotionen sozusagen entkoppelt. Er lernt während der EMDR-Sitzungen, mit den alten Erinnerungen und Gefühlsregungen umzugehen und kann neue gesündere Perspektiven für sein Leben entwickeln – und das schon nach wenigen Sitzungen.

Wie bei jeder anderen Form von Psychotherapie kann es durch eine EMDR-Behandlung zu einem zeitweiligen Anstieg der Belastungen kommen.