Ego-States als Grundlage der hypnosystemischen Psychotherapie bei der Trauerarbeit

Was ist zu beachten bei der Ego-State-Therapie als Basis von Traueraufarbeitung? Im folgenden Artikel wird die Fragestellung erläutert. Welche Psychotherapie ist für einen trauernden Menschen empfehlenswert? Als sehr effizient hat sich in der Praxis die Ego-State-Therapie als Basis der hypnosystemischen Psychotherapie herausgestellt.

Ego-States verankern sich vermehrt in der Psychotherapie. Es ist die Bezeichnung eines äußerst effizienten Ansatzes, der beinhaltet, dass die Persönlichkeit nicht als ein homogenes Ganzes betrachtet wird, sondern aus verschiedenen gleichberechtigten Anteilen besteht.
Ein wichtiger Bestandteil ist das Arbeiten mit jenem Persönlichkeitsanteil, welcher gerade Veränderung braucht, anstatt den Patienten ausschließlich auf der rein intellektuellen Ebene anzusprechen.

Jeder Mensch besteht demnach aus unterschiedlichen Anteilen, die sich alle auf einen Ich-Zustand belaufen.

  • Jedes Teil hat seine eigene Macht oder Ohnmacht.
  • Jedes Teil beinhaltet eigene Denkweisen, Fähigkeiten und Emotionen.
  • Jedes Teil übt Einfluss auf unser Handeln aus.
  • Jedes Teil bildet einen Ego-State.

Wenn der Patient von „einem Teil von mir“ spricht, dann meint dies ein solches.

Wann spricht man von Ausgeglichenheit?

Ein Mensch gilt diesem Ansatz nach als in sich ruhend, wenn alle dieser Teile seiner Persönlichkeit im Einklang sind.

Wann spricht man von Unausgeglichenheit?

Steht einer dieser Teile im Konflikt mit einem anderen Teil, so leidet der Patient. Er wird unruhig und im Verhalten unberechenbarer. Oftmals zeigt sich dies durch unerwünschte Reaktionen wie z.B. einem heftigen Wutanfall. Der Mensch fühlt sich zerrissen oder ist nicht in der Lage, eigene Entscheidungen eigenständig und gewinnbringend zu treffen.

Egal in welchem Zustand der trauernde Mensch verweilt, er befindet sich weiterhin in seinem „Ich“. Der „Ich“-Zustand ist fortwährend.

Wie entstehen Ego-States?

Jeder Mensch wird mit einer Vielzahl an Nervenzellen im Gehirn geboren. Je nach Anregung von außen bilden sich diese Nervenzellen in verschiedene Richtungen aus. Durch immer wiederkehrende Wiederholungen entstehen Verknüpfungen innerhalb der Nerven und wachsen sich aus.

Ein Ego-State entsteht. Mit eigenen Emotionen, Fähigkeiten und Lebenserfahrungen. Jeder Mensch trägt eine individuelle Zusammensetzung dieser in sich, welche sich jedoch von Mensch zu Mensch ähneln kann.

Was hat es mit dem „Ich“-Zustand auf sich?

Es gibt vier Kategorietypen eines „Ich“-Zustands:

  • normal
  • geschwächt
  • retro
  • Konflikt

Ein trauernder Mensch befindet sich nicht im normalen Zustand. Der normale Zustand benennt den Zustand der inneren Zufriedenheit mit sich. Alle Anteile stehen im Frieden und in der Ausgeglichenheit zueinander.

Ein trauernder Mensch sucht im geschwächten Zustand eine Therapie. Geschwächt heißt, der Klient erfuhr Trauma oder Ablehnung und hat dies bis dato noch nicht verarbeitet. Die Teile sind in ein Ungleichgewicht geraten. Der Patient fühlt sich schlecht.

Befindet sich der Klient in einem Retro-„Ich“-Zustand, liegen nicht verarbeitete Verletzungen in seiner Vergangenheit zurück, die er dort mit Aufarbeitung abholen muss, um sie anzugehen und Frieden zu schließen.

Menschen in diesem Zustand neigen zu unkontrollierten Wutausbrüchen und wenden Vermeidungsstrategien wie Sucht und Zwang an.

Der Konflikt-„Ich“-Zustand besagt den Konflikt zwischen zwei oder mehreren Ego-States, welche der Klient innerlich austrägt.

Ego-States eingebunden als Basis einer hypnosystemischen Psychotherapie können dem trauernden Klienten helfen, wieder in den normalen „Ich“-Zustand zu finden. Dabei wird er sich befreit fühlen und eine erneute bessere Selbstkontrolle erlangen. Letztendlich soll sie zur Stabilisierung des durch Verlust traumatisierten Menschen führen.

Was ist zu beachten?

Der erfolgreichste und sinnvollste Weg der Traumaaufarbeitung ist hierbei, eine Beziehung zu und zwischen den Ego-States herzustellen. Imaginative Begegnungsprozesse innerhalb einer solchen Therapie haben sich sehr gut psychosomatisch bewährt:

Auch stark rational denkende, emotional blockierte Patienten profitieren von bildhafter Symbolisierung.

Die Trauer engt die Wahrnehmung ein. Der Therapeut verhilft zur Lösungstrance durch Fokussierung auf eigene Ressourcen, sprich Ego-States. Der Patient lernt seine Anteile wertzuschätzen und vernetzt diese miteinander. Alle Ressourcen werden zu einem inneren Team vereint.

Ego-States lassen sich demnach wunderbar als Basis in die hypnosystemische Psychotherapie innerhalb der Trauerarbeit integrieren. Sie bedingen und ergänzen sich einander.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang Utilisierung?

Utilisierung meint die Haltung, eine Therapie nicht zu standardisieren, sondern diese den individuellen Bedürfnissen eines Patienten anzupassen.

Warum braucht es imaginative Begegnungsprozesse?

Zentraler Bestandteil innerhalb der Traueraufarbeitung ist die Imagination einer Begegnung zwischen dem jungen Ego-State und dem Ego-State des Verstorbenen. Begegnungsort und Begegnungssituation werden gewählt. So wird die Beziehungsarbeit nachgeholt. Diese imaginativen Begegnungen finden in Begleitung des erwachsenen Ego-State statt. Zusammengefasst ergibt der Miteinbezug all dieser Faktoren eine gelungene Traueraufarbeitung.