Depressionen und Co-Abhängigkeit in der Eltern-Kind-Beziehung

Depression wird oft als die „Volkskrankheit Nr.1“ bezeichnet. Und das nicht zu Unrecht – entwickelt doch jeder 5. bis 6. Deutsche im Laufe seines Lebens eine Depression. Dabei ist das Spektrum weit gefasst und reicht von leichteren depressiven Verstimmungen bis hin zum absoluten Rückzug aus dem Alltag aufgrund von anhaltender Niedergeschlagenheit und „Lebensunlust“. Depressionen können im familiären Kontext zu Störungen in der Eltern-Kind-Beziehung führen.

Leider ist die Depression immer noch eine Erkrankung, die hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzt wird. Nicht selten wird angenommen, dass sich die Betroffenen lediglich überwinden müssten, um ihrem Alltag wieder in der gewohnten Weise zu begegnen und gerecht zu werden.

Dabei wird völlig unterschätzt, dass depressive Menschen dazu gar nicht in der Lage sind – es liegt also nicht an ihrem Wollen, sondern an ihrem Können. Sie haben nicht die Wahl – wie fälschlicherweise oft noch angenommen wird.

Durch dieses mangelnde Wissen bezüglich der Erkrankung werden betroffene Menschen noch zusätzlich belastet – denn sie werden dann nicht als krank, sondern eher als „passiv, lustlos und faul“ wahrgenommen. Dabei wünschen sich an einer Depression Erkrankte meist nichts sehnlicher, als endlich wieder zu „funktionieren“ und ihr alltägliches Leben in ihrer gewohnten Weise gestalten zu können.

Depressionen in der Familie

Kein Mensch lebt ohne Beziehungen und gerade diese sind es, die bei allen psychischen Erkrankungen in hohem Maße mit betroffen und beeinträchtigt sind. Meist leiden die Menschen am meisten, die der erkrankten Person am nächsten stehen – denn das Miteinander verändert sich fundamental.

Eine große Schwierigkeit besteht darin, dass eine Depression nicht selten langsam und unbemerkt beginnt: Die Energie lässt nach, das allgemeine Interesse wird weniger und die Aktivitäten reduzieren sich Schritt für Schritt. Anfangs findet man meist eine plausible Erklärung in der momentanen Situation, in der man sich gerade befindet. Denn oft ist es eine akute Belastungssituation, die eine Depression auslösen kann.

Die Krankheit, die schleichend kommt

Man fühlt sich überfordert und niedergeschlagen, deprimiert. Solche Zeiten erlebt jeder Mensch. Doch wenn dieser Zustand sich nicht wieder zum Positiven verändert und längere Zeit anhält, befindet man sich immer weiter auf dem Weg in eine Depression hinein. Dann helfen auch keine gut gemeinten Motivationen vonseiten der Mitmenschen mehr.

An diesem Punkt ist eine Psychotherapie (meist kombiniert mit einer individuellen Medikation) ein erfolgversprechender Weg – denn die angewandten Therapiemethoden, wie kognitive Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische und analytische Psychotherapie, systemische Therapie, Gesprächspsychotherapie sowie interpersonelle Psychotherapie können den Betroffenen im Laufe der Zeit wieder „ins Leben zurückholen“.

Da dieser Prozess Zeit braucht, stellt nicht nur die Erkrankung, sondern auch der Weg der Heilung eine Herausforderung für alle Beziehungen dar. Besonders deutlich wird es in der Familie, wenn auch Kinder im Haushalt leben. Fällt es schon Erwachsenen schwer, das Krankheitsbild der Depression zu verstehen und dem Betroffenen hilfreich zu begegnen, dann Kindern erst recht.

Zudem besteht die Gefahr, dass durch unangemessenes Verhalten die gesunde Entwicklung der Kinder selbst behindert wird. So tritt häufig das Phänomen einer Co-Abhängigkeit oder Rollenumkehr auf – was aber letztendlich Ausdruck der gestörten Eltern-Kind-Beziehung ist.

Denn in keinster Weise ist das Kind in irgendeiner Form für ein Elternteil verantwortlich! Das Kind selbst nimmt das für sich allerdings anders wahr: Es hat einerseits Mitleid und möchte dem erkrankten Elternteil helfen – was dieser auch selten ablehnt, denn er ist dankbar für Rücksichtnahme und Unterstützung. Andererseits fühlt sich das Kind durch diese Ausnahmesituation auch verunsichert und möchte so schnell wie möglich den Normalzustand für die Familie wieder herstellen.

Schuldgefühle sind an der Tagesordnung

Dass es dazu gar nicht in der Lage ist, kann es oft nicht überblicken. Nicht selten kommen noch Schuldgefühle dazu – da in vielen Phasen der Kindheit das Kind erlebte Auswirkungen bei Bezugspersonen auf sein eigenes Verhalten zurückführt. Auch an dieser Stelle kann die therapeutische Begleitung des Betroffenen hilfreich sein und den Blick auch auf das Kind weiten – damit dessen Entwicklung nicht nachhaltig beeinträchtigt wird.

Nicht zuletzt kann eine begleitende Therapie für alle Angehörigen stark unterstützend sein. Denn für eine gesunde Entwicklung des Kindes und eine gute Eltern-Kind-Beziehung, auch in der Akutphase der Depression, ist es von enormer Bedeutung, das Kind von der Last der gefühlten Verantwortung zu befreien.

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