Arbeitswelt und psychische Störungen - Erwartungen zur Rückkehr an den Arbeitsplatz (ERA)

Psychische Störungen und Erkrankungen wie etwa Angsterkrankungen, Anpassungsstörungen, bipolare Erkrankungen, Borderline-Syndrom, Burnout, Depression, Panikstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Psychosen, Posttraumatische Belastungsstörungen, Zwangserkrankungen, soziale Angststörungen sowie schizophrene Psychosen üben nachhaltig negative Effekte auf die psychische Gesundheit aus und mindern die individuelle Fähigkeit optimal auf alltägliche Belastungen und Anforderungen zu reagieren.

Arbeitsleben, außergewöhnliche Belastungen bzw. Traumata und der natürliche Alterungsprozess sind potentielle Risikofaktoren, die in Verbindung mit ungünstigen Faktoren ein Missverhältnis zwischen individuellen Ressourcen zur Stressbewältigung und Belastungssituationen fördern und die Etablierung psychischer Störungen und Krankheitsbilder begünstigen. Leidet eine Person parallel unter mehr als einer psychischen Störung liegt eine Komorbidität vor. Treten neben einer psychischen Erkrankung ergänzend organische Krankheitsbilder in Erscheinung, ist dies als Multimorbidität zu klassifizieren.

Abhängig von der jeweiligen Diagnose dienen Psychotherapie, Pharmakotherapie, Psychoedukation, Soziotherapie, Entspannungsverfahren und Ergotherapie als essentielle Bausteine für den ganzheitlichen Genesungsprozess.

Arbeitswelt als Quelle für Stressoren

Die Arbeitswelt birgt tatsächlich zahlreiche arbeitsbedingte Risikofaktoren bzw. Stressoren. So beeinflussen Arbeitsinhalt, soziale Beziehungen am Arbeitsplatz, Arbeitsumgebung sowie die individuelle Arbeitsorganisation potentiell die psychische Gesundheit von Arbeitnehmern.

Ungünstige Bedingungen am Arbeitsplatz, die beispielsweise von interpersonellen Konflikten, Mobbing, unklaren Entscheidungsstrukturen und einer überdurchschnittlich hohen Stressbelastung dominiert sind, triggern nachweisbar Stresssymptome, tragen zur Manifestation von psychischem Unwohlsein bei und begünstigen Angststörungen, Burnout, Depression und Substanzmissbrauch. Psychische Krankheitsbilder sind demnach aktuell einer der Hauptgründe für ein unfreiwilliges, frühzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben.

Als gesunderhaltende Arbeitsbedingungen sind ein spannendes, facettenreiches Anforderungsprofil, das an umfassendes Lern- und Entwicklungspotential gekoppelt ist, autonome Handlungsfelder, ein vertrauensvolles, faires Arbeitsklima, soziale und materielle Anerkennung sowie eine sinnerfüllte Perspektive einzustufen.

Stressoren manifestieren sich

Etablieren sich die psychischen Belastungssituationen langfristig, gelten entsprechende Negativfaktoren als Stressoren, die unspezifische, negative Anpassungsreaktionen anstoßen. Die fortwährende Konfrontation mit den Stressoren löst demzufolge unmittelbar die Entstehung psychischer Störungen und Krankheitsbilder aus, denen Betroffene sich aufgrund ihrer anhaltend schwindenden Ressourcen in der Praxis nicht wirksam widersetzen können.

Symptome für derartige Aktivierungsreaktionen sind psychische Erschöpfungszustände, unverhältnismäßiges Anpassungsverhalten wie Angsterkrankungen oder Suchterkrankungen. Stress, Mobbing und Bossing gehören derzeit zu den häufigsten Stressoren im Bereich der Arbeitswelt.

Psychotherapie unterstützt Betroffene beim Selbstschutz und formuliert Erwartungen

Mit Hilfe einer Psychotherapie, die explizit auf die konkrete psychische Störung zugeschnitten ist, lernen Betroffene optimal mit den Stressoren umzugehen und entwickeln in enger Zusammenarbeit mit dem zuständigen Therapeuten spezifische Interventionsmöglichkeiten, die wohltuend auf die Psyche wirken, zielgerichtet dem psychischen Selbstschutz dienen und ein harmonisches Stressmanagement ermöglichen. Betriebe können dank spezieller Leitlinien, die das „ Bundesministerium für Arbeit und Soziales“ unterstützt, betriebliche Interventionsmaßnahmen ergreifen, um die psychische Gesundheit der Angestellten zu schützen.

Rückkehr an den Arbeitsplatz sollte von gesunderhaltenden Arbeitsfaktoren getragen sein

Die Erwartungen zur Rückkehr an den Arbeitsplatz Betroffener sind demnach geprägt von der effektiven Früherkennung belastender Stressoren und Arbeitsfaktoren sowie dem Vorantreiben gesunderhaltender Arbeitsbedingungen. Ungünstige, krankheitsbegünstigende Faktoren sind deshalb fortwährend zu identifizieren.

Im Anschluss an eine erfolgreiche Therapie ist ein zeitnaher Wiedereinstieg in das Berufsleben essentiell. Um die psychische Gesundheit des Betroffenen fortwährend zu stabilisieren, sollte das neue Arbeitsprofil ideal an das tatsächliche Leistungsvermögen des Patienten angepasst sein. Das individuelle Fähigkeitsniveau gilt hierbei als zentraler Aspekt.

Der Psychotherapeut nimmt eine sozialmedizinische Einzelfall- Beurteilung vor, die die objektiv zumutbare qualitative Leistungsfähigkeit des Patienten abbilden soll. Gleichzeitig dient die Analyse dazu den mutmaßlich zeitlichen Umfang zu analysieren während der der Patient sein Leistungsvermögen potentiell aktivieren kann. Etwaige krankheitsbedingte Einschränkungen fließen deshalb in die entsprechende Beurteilung ein. Die Analyse ist für Patienten, Arbeitgeber, Betriebsarzt und Personalrat relevant.

Kurzpraktika oder eine stufenweise Wiedereingliederung durch eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitsstunden eröffnen die Option zur Partizipation am Arbeitsleben. Abhängig vom jeweiligen Krankheitsbild können Betroffene tatsächlich psychisch krank, aber gleichzeitig vollumfänglich arbeitsfähig sein.

Sofern die Rückkehr an den vorherigen Arbeitsplatz aufgrund des Krankheitsbildes nicht zu realisieren ist, greifen individuelle Rehabilitationsmaßnahmen. Betroffene können demnach optional Umschulungs- und Umorientierungsmaßnahmen absolvieren, die eine berufliche Neuorientierung ermöglichen.