Arbeitsplatzbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM)

Inhaltsverzeichnis
  1. AVEM Verfahren

Grundsätzlich gilt, dass ein durchaus symptomorientierter Ansatz in der Diagnostik betreffend die berufliche Beanspruchung aufscheint. Um die richtige Strategie zu finden, welche im Zentrum die persönlichen Ressourcen im Vergleich zu den beruflichen Anforderungen stellt, wurde unter anderem auch das Verfahren AVEM konzipiert. Mit Hilfe dieses Verfahrens, lassen sich persönlichkeitsbezogene Muster des arbeitsbezogenen Verhaltens identifizieren.

Durch die Anwendung dieses Verfahrens ist es möglich geworden, Rückschlüsse zu sehen, sowohl auf gesundheitsförderliche, als auch auf gefährdende Verhältnisse. Statistisch gesehen lässt sich dieses Verfahren auch im Spektrum der beruflichen Wiedereingliederung einsetzen.

Seit vielen Jahrzehnten werden psychologische Verfahren angewandt, um individuelle gesundheitsrelevante Auswirkungen von beruflicher Tätigkeit nachweisen zu können. Hierbei steht im Mittelpunkt die Betrachtung von Belastungseffekten. Diese können sowohl in psychischen als auch körperlichen Beeinträchtigungen vorkommen.

Ein weiterer Aspekt ist die Diagnostik des Burnout-Syndroms. Dieses Syndrom hat vor allem in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung gewonnen. Auch in diesem Fall folgt die Diagnostik einem effektbezogenen Ansatz.

Im 21. Jahrhundert reicht es leider nicht mehr aus, sich lediglich auf die Identifikation von Beschwerden und Störungen zu beschränken. Vielmehr steht die Frage nach den individuellen Ressourcen und Hilfefaktoren für die Bewältigung der immer anspruchsvolleren Anforderungen im Vordergrund.

Durch diese Herangehensweise kann sichergestellt werden, dass die betroffenen Menschen nicht nur als Opfer angesehen werden. In diesem Verfahren bekommen jene Individuen, welche mit den auf sie einwirkenden Belastungen zu kämpfen haben, die Möglichkeit, eine aktive Rolle in diesem Prozess zugeschrieben. Gelangt man bereits zu dieser Ebene, so kann es durchaus gelingen, dass ein besserer Zugang zur Problematik und durch die Früherkennung von potentiellen Gefährdungen auch eine Prävention dieser gegeben ist.

Vereinfacht gesagt, ist es bei weitem einfacher, persönliche Ressourcen zu stärken und somit an der Prävention zu arbeiten, als bereits vorliegende Beschwerden oder Störungen zu korrigieren und in diese im Nachhinein eingreifen zu müssen. Vor allem die Möglichkeit der eigenen Belastungs- und Krankheitsbewältigung erleichtert die Rehabilitation von Anfang an ungemein.

AVEM Verfahren

Bei der Erstellung des AVEM Verfahrens wurde hauptsächlich darauf geachtet, dass dieses Verfahren eine große Auswahl an Merkmalen schon von vornherein berücksichtigt. Grundsätzlich sollten die wichtigsten Einstellungen bzw. Befindlichkeiten betreffend Beruf, Arbeit und der damit verbundenen Bereiche wiedergespiegelt werden. Bei dieser speziellen Verfahrensstruktur werden elf Dimensionen aufgelistet und als relevant erachtet:

  • 1. Subjektive Bedeutsamkeit der Arbeit oder auch der Stellenwert von Arbeit im persönlichen Leben
  • 2. Ehrgeiz im Beruf
  • 3. Die Bereitschaft der Verausgabung
  • 4. Perfektionsstreben
  • 5. Die Fähigkeit sich zu distanzieren
  • 6. Resignationstendenz bei auftretenden Misserfolgen
  • 7. Aktive (offensive Problembewältigung)
  • 8. Ausgeglichenheit / Innere Ruhe
  • 9. Berufliches Erfolgserleben
  • 10. Zufriedenheit mit dem Leben
  • 11. Soziale Unterstützung erfahren

Diese elf angeführten Dimensionen lassen sich in drei verschiedene Bereiche zuordnen:

  • 1. Berufliches Engagement,
  • 2. jene Widerstandskraft die man aufbringen kann, um mit den beruflichen Belastungen bzw. Störungen und
  • 3. die Emotionen eines jeden Individuums.

In ihrer Zusammensetzung können diese Merkmale kennzeichnend dafür sein, wie stabil der Hintergrund der Auseinandersetzung mit den Arbeitsanforderungen ist und welche Gesundheitsaspekte in diesem Zusammenhang zum Ausdruck gebracht werden.

Nach Betrachten dieser Dimensionen ist aber das Potential dieses Verfahrens immer noch nicht vollständig ausgeschöpft. Dies kann erst der Fall sein, wenn über die oben erwähnten einzelnen Dimensionen hinaus noch deren Zusammenhalt in Form von komplexen Verhalten- und Erlebensmustern in Betracht gezogen wird. In diesem Verfahren werden sodann viele Muster unterschieden. Jede Person, die von diesem Verfahren begutachtet wird, kann später den Grad der Anpassung zwischen dem individuellen Profil und dem Profil der vier Referenzen bestimmen.

Zusammenfassend kann durch die bisherigen empirischen Forschungen und Erfahrungen bestätigt werden, dass das AVEM Verfahren auch im Bereich der beruflichen Rehabilitation angeboten werden kann. Durch die Anwendung dieses Verfahrens können berufsbezogene gesundheitliche Risiken untersucht werden.