Trauma durch Trennung – Verlusterfahrung und Erkrankung

Wenn sich Menschen, die einander lieben sich auseinander leben, dann bedeutet es Schmerzen für beide. Schlimmer wird das Ganze jedoch, wenn plötzlich die heile Welt der gemeinsamen Liebe für einen der Beiden durch den unerwarteten Trennungswunsch des Anderen zerstört wird.

Dieses Erlebnis ist bei weitem keine Seltenheit und stellt den Verlassenen von einem Moment auf den Nächsten vor eine Reihe großer Herausforderungen, die zunächst oft unüberwindbar erscheinen. Viele der auf so plötzliche Weise Verlassenen fallen zunächst in ein emotionales Loch. Aus Sicht des unvorbereiteten Partners mag man zunächst über eine Ungerechtigkeit sprechen.

Jedoch sollte dieser psychologische Fehler nicht begangen werden, da er in keiner Weise dazu beiträgt, sich aus diesem Tief zu befreien. Die Überwindung dieses Schocks kostet Kraft. Kraft, die man nicht damit verschwenden sollte, das Schicksal oder die Kaltherzigkeit des Ex-Partners zu beklagen.

Die Situation danach

Der erste Schock nach einer unvorhergesehenen Trennung kann unterschiedliche Folgen für den Betroffenen haben: Manch einer weint nächtelang. Andere wiederum fühlen eine extrem geminderte Motivation, was Arbeitsunfähigkeit oder im schlimmsten Fall zu sozialer Isolation führen kann. Ebenfalls sind Schlafstörungen und Orientierungslosigkeit bekannte Verhaltensveränderungen bei Betroffenen.

Diese vermeintlich extremen Reaktionen sind selbstverständlich schmerzhaft, jedoch sind sie zunächst nur temporärer Natur. Damit dies so bleibt, ist eine gründliche Verarbeitung des Geschehenen notwendig. Sollte diese Aufarbeitung nicht stattfinden, ob es nun am Fehlen eines starken sozialen Umfeldes oder an der Verweigerung vor einer therapeutischen Betreuung liegt, können sich die Folgen des traumatischen Schocks weiter entwickeln und manifestieren.

Eine Trennung hinterlässt immer Spuren

Dazu sollte man zunächst erwähnen, dass jede Trennung, egal wie gut verarbeitet, ihre Spuren hinterlässt. Das ist völlig normal und kein Grund zur Panik. Anders sehen die weitreichenden Folgen eines unverarbeiteten Traumas aus. Wenn die Trennung der seelischen Bindung zum Ex-Partner nicht reflektierend aufgearbeitet wird, kann sich eine permanente Verlustangst in der Psyche manifestieren.

Hier spricht man dann von einem Verlusttrauma, da der Schmerz nicht mehr am ehemaligen Partner, sondern an die Erfahrung des Verlustes gekoppelt ist. Tritt dies ein, kann es diverse Auswirkungen auf das Verhaltensmuster des Betroffenen haben. Hier kann man nicht pauschalisieren, da die Formen des Selbstschutzes, die von der Psyche aufgebaut werden, ganz unterschiedliche Formen annehmen können.

Bindungsunfähigkeit

So gibt es Betroffene, die sich vor Zuneigung isolieren, um so präventiv die Entwicklung einer neuen Bindung zu verhindern. Andere wiederum sind Annäherungsversuchen neuer Menschen nicht abgeneigt, stoßen aber vor eine emotionale Wand, welche die Entwicklung einer neuen Bindung blockiert. Ein weiteres Verhaltensmuster, welches Betroffene entwickeln können, ist ein extremes Übermaß an Eifersucht und sogar Kontrollzwang, um so einen erneuten Verlust zu verhindern.

All diese psychologischen Adaptionen haben eins gemeinsam: Sie schaden der Zukunft des Betroffenen. Ob nun das Finden einer neuen Liebe gänzlich unmöglich gemacht wird oder eine neue Beziehung durch Kontrollzwang leidet, die Langzeitfolgen für die seelische Gesundheit sind schwerwiegend. Sollte dieses Stadium erreicht sein, ist dringend zu einer professionellen Therapie geraten, um so bestmöglich wieder einen Lebensweg zu finden, in dem das Glück in der Liebe wieder möglich wird.