Angst vor dem Tod – ein Angst, die im Alter zunehmen kann

Nimmt die Angst vor dem Tod im Alter zu? Diese Frage lässt sich nicht einfach mit „JA“ oder „NEIN“ beantworten, weil wir Menschen auch mit Blick auf unsere gesamte Sozialisation sehr unterschiedliche Befindlichkeiten haben, was auch mit dem Kulturkreis zu tun hat, dem wir entstammen. Dennoch gibt es eine Reihe von Indizien dafür, dass die Angst vor dem Tod bei alten Menschen sogar eher abnimmt.

Angst vor dem Tod

Logisch wäre es ja eigentlich schon, die obige Frage mit einem klaren „JA“ zu beantworten, verkürzt sich doch bei alten Menschen mit jedem Tag die Zeitstrecke bis zum Todestag, den allein das Schicksal in geheimer Mission per Würfel für jeden Menschen bestimmt und in das große Todesbuch geschrieben hat, so jedenfalls wird es von vielen Menschen empfunden.

Zu bedenken ist aber auch bei dieser Fragestellung, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens eine enorme Entwicklung durchmacht, unser Leben ist so dynamisch, wir haben in der Tat ständig wechselnd gute Zeiten und schlechte Zeiten, völlig unabhängig von den Anmerkungen des Standesbeamten bei der Hochzeit. Die Hochzeit ist zugleich ein gutes Stichwort, denn sie ist wie eine Metapher für jeden Höhepunkt in unserem Leben. Ein solcher Höhepunkt kann auch das Erreichen des Grades der Doktorwürde sein, die Geburt des eigenen Kindes, die Zusage eines Arbeitgebers für einen lukrativen Job oder eine Beförderung oder der Bau bzw. Kauf des eigenen Hauses.

In Zeiten solcher Glücksmomente, die meistens mitten im Leben eintreten, denen auch oft jahrelange harte Arbeit und Vorbereitungen vorausgegangen sind, mag niemand an den Tod denken, und es ist extrem tragisch, wenn ein „Hans im Glück“ mit 30 Jahren oder mit 45 Jahren plötzlich aus dem Leben und aus der noch jungen Familie gerissen wird, was sich manchmal auch durch eine niederschmetternde ärztliche Diagnose ankündigt. Das ist die Situation, in der die Menschen zurecht große Angst vor dem Tod haben, mehr noch, sie sind zurecht total wütend darüber, dass er jetzt schon kommt und alle Pläne des Lebens einfach durchkreuzt.

Entwicklungen

Ein alter Mensch hat das große Glück, und dafür ist er auch sehr dankbar, dass ihm und seiner Familie solch ein schlimmes Schicksal erspart geblieben ist. Spätestens ab Mitte 50 macht es sich bemerkbar, dass der Körper richtig „abbaut“. Dass man sein Leistungsmaximum, körperlich und geistig, schon längst überschritten hat, das ist jedem in diesem Alter klar. Aber jetzt kommen Schritt für Schritt immer mehr Degenerationserscheinungen hinzu.

Arthrose in den Gelenken, man kann sich kaum noch etwas merken und auch Sexualität, die doch immer so viel Spaß gemacht und das Leben so bereichert hat, spielt kaum Rolle mehr. Jeder ältere Mensch muss ständig verbuchen, dass er von dem, was er mal wie selbstverständlich konnte, immer mehr abgeben bzw. zurückgeben muss.

Krankheiten nehmen zu

Die Jahre schreiten dennoch unerbittlich weiter voran, und es kommen noch mehr Erkrankungen hinzu, man ist fast nur noch damit beschäftigt, keines von den vielen täglichen Medikamenten zu vergessen, während man von einem Wartezimmer zum Nächsten geschleust wird. Spätestens jetzt hat der alte Mensch mental einen Entwicklungsstand erreicht, bei dem ihm klar geworden ist, dass er vom Leben nichts Gutes mehr zu erwarten hat, dass der Tod nicht sein Feind, sondern vielmehr hoffentlich bald sein Freund und Erlöser aus der Gefangenschaft seines unerträglichen Körpers ist.

Eine normale Entwicklung beim persönlichen Leben vorausgesetzt, lässt sich konstatieren, dass es ein alter Mensch seinen Frieden mit dem Tod gemacht und gefunden hat. Es kommt für jeden die Zeit, da hat man keine Angst mehr vor dem Tod, den man dann endlich ernsthaft als die Grundvoraussetzung allen neuen Lebens wahrnimmt.